Poetische Berührung


Poetische Berührung

Auf diesen Seiten sollen die Menschen vorgestellt werden, die im kulturellen Dialog mitwirken und deren persönliches Engagement oder individuelle Begabung in den Dialog zwischen den unterschiedlichen Kulturen einfließt und diesen bestimmt. Die Beiträge sind neue Perlen in einer langen Kette der poetischen Auseinandersetzung mit dem Anderen und sollen als Beispiel dienen, andere Menschen in ihrem Bemühen um eine friedliche und menschliche Beschäftigung mit fremden Kulturen anzuregen.

Die Literatur und insbesondere die Poesie ist ein geeignetes und vor allem schönes Mittel, die Wesenszüge, Verhaltensweisen und Anschauungen des Anderen zu erfahren, denn in der Dichtung erscheinen diese fremdartigen (und oft überraschend vertrauten) Gedanken am deutlichsten, eben verdichtet.

In den vergangenen Jahren haben die Mitglieder des Poesievereins Dichterpflänzchen e.V. zahlreiche Menschen kennen gelernt, die es sich zur Aufgabe machten, anderen Menschen ihre Kultur zu erklären und zugleich deren Kultur zu verstehen.

Von diesen Menschen, deren Ideen und deren Arbeit im Bereich der „Poetischen Berührung“ berichten folgende Projektseiten:

Senail Özkan


Senail Özkan





Portrait Mert


Mert Ertrüre

Sprache & sprechen

Vom Ursprung der Sprache

Die Frage, wie und wann die menschliche Sprache entstand, ist bis heute keineswegs gelöst, noch hat sie über die Jahrtausende an Faszination verloren. Führt sie uns doch zu den ersten Anfängen der Menschheit, ja des Menschseins, zurück – an jenen Punkt in grauer Vorzeit, als die meisten unserer Urahnen noch nicht „sprachen“, als diese neue Art sich zu verständigen, erst „aufkam“. Wie das geschah, darüber gibt es die unterschiedlichsten Hypothesen – faszinierend sind sie alle. In einer ganzen Reihe neuer Publikationen werden sie leidenschaftlich diskutiert.
von Gabriele Liebig

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Wie Kinder sprechen lernen

Der faszinierende Prozess des Spracherwerbs in den ersten Lebensjahren ist noch keineswegs restlos entschlüsselt. Aber man weiß: er beginnt bereits im Mutterleib. Neue Bücher zu Logopädie und Sprachheilpädagogik berichten über den jüngsten Forschungsstand und was man tun kann, wenn die Sprachentwicklung nicht nach Plan verläuft.

von Gabriele Liebig
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Musik fördert Sprache – und begeistert Kinder !

Die Mombacher "Streicherklasse" führte im Mainzer Rathaus vor, wie das geht. Und eine Musikpädagogin erklärte, warum es funktioniert. Dabei ging es auch um die interessante Streitfrage, was in der Entwicklung zuerst kommt: das Sprechen oder das Singen?"

von Gabriele Liebig
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Die Kunst des Sprechens
Sieben Bücher über Stimme – Sprechen – Sprache

Die Worte eines guten Gedichts sind mit einer Kraft geladen, die tief eindringt.
Bei der Verwirklichung des Werkes eines großen Dichters verlässt du die Einzigartigkeit
der Persönlichkeit und betrittst die Atmosphäre universaler Erfahrung.

von Gabriele Liebig
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Schüler heben versunkene Sprachschätze

Da passives Wehklagen über verlorene Schätze noch nie geholfen hat, konzipierte die Musikerin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Katrin Bibiella ein Sprachprojekt, bei dem Schüler der Mittel- und Oberstufe als philologische Schatzgräber tätig wurden. Jeder Teilnehmer erhielt einen kleinen Forschungsauftrag: Aus einem exemplarischen Kunstwerk deutscher Sprache sollten zunächst ungebräuchliche, aus dem Wortschatz verschwundene Worte herausgesucht werden, und anschließend Worte, die „du besonders schön und poetisch˝ findest bzw. „die zu unserem Wortschatz gehören sollten˝. Und siehe da: die erste Gruppe der vergessenen Worte erwies sich in der Regel als Fundgrube für die zweite. In einem weiteren Schritt sollten die Schüler beeindruckende Satzgebilde sammeln, die „du herausschreiben würdest, um sie in besonderer Weise zu bewahren˝, oder sogar „auswendig lernen würdest, damit sie dich durch dein Leben begleiten˝. So entstand eine faszinierende Quellensammlung von einzigartiger Authentizität, ein Schatzkästlein all dessen, was diese 14-19-Jährigen schön und wertvoll finden, wonach sie offenbar hungern und das sie sich gerne zurückholen wollen.

von Gabriele Liebig
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„After“ Deutsch (1) -- Sprachenvielfalt
oder amerikanisierte Einfaltssprache?

Die fortschreitende Anglisierung unserer Sprache ist nicht nur ärgerlich, sie hat weitreichende Konsequenzen auf allen Gebieten. Besonders folgenreich ist diese Entwicklung im Bereich Wissenschaft und Bildung. Die Universitäten werden zu anglisierten Inseln, und sogar an den Schulen ist dieser Prozess in vollem Gange. Forschen und Anwenden, Denken und Sprechen werden voneinander abgeschnitten, die Gesellschaft zweigeteilt in eine Elite, die Englisch spricht und schreibt, und eine Öffentlichkeit, die sich selbst immer weniger versteht. Die Lösung liegt in der Mehrsprachigkeit; mehrere Sprachen lernen und gut beherrschen ist alte europäische Tradition und das beste Mittel gegen Anglisierung und Halbsprachigkeit.

von Rosa Tennenbaum
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Einer, der die Sprache wiederfand

Uwe Grefe war 34, als er eine massive Hirnblutung erlitt. Diagnose nach der Operation und fünf Tagen Koma: globale Aphasie und rechtsseitige spastische Lähmung von Arm und Bein. In dem Buch 3+4=8. Vergraben und verschüttet sind meine Worte schildert er selbst, wie er mit Unterstützung seiner Familie und in gemeinsamer Anstrengung mit Ärzten und Therapeuten nicht nur das Laufen, Sprechen, Schreiben, Rechnen usw. wieder erlernte, sondern auch einen neuen Platz im Leben fand.

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Gedichte & formen

Die Dichterpflänzchen tragen nicht nur vorhandene Gedichte anderer Autoren vor, die ihnen besonders gut gefallen, manchmal schreiben sie auch selber welche. Einige davon haben wir hier gesammelt.             Zu dem Gedichten

Lesen & denken

Schillers Jungfrau von Orleans

In der „Jungfrau von Orléans“ sind verschiedene Ebenen ineinander verwoben. Obwohl sich Schiller in diesem Drama so weit wie in keinem anderen von der Geschichte entfernt, existiert dennoch die historische Jeanne d’Arc. Selbstverständlich gibt es den Bezug auf die politische Situation und die Ereignisse zu Schillers Lebzeit und die Bezüge zur Literatur und Philosophie. Das Drama gilt wohl deswegen als schwierig, weil keine dieser Ebenen überbewertet oder verkürzt werden darf, wenn man versucht, Schillers Wirken und Absicht als Künstler zu verstehen. Dieses wird in dem folgenden Aufsatz versucht. Artikel lesen...


Sage mir, wie du spielst und ich sage dir,
was du bist!


Es wird oft behauptet, die Computerrevolution mache bald die menschliche Arbeitskraft völlig überflüssig und der Mensch werde sein Leben bald nur noch in Freizeit, Cyberspace und Spiel verbringen. Ja, eigentlich sei dieses die wesentliche Bestimmung des Menschen und er sei kein "Handwerker" (kein "homo faber") mehr, sonder nur noch ein "Spieler" (ein "homo ludens"). Artikel lesen...

Verschiedenes

Dichterpflänzchen zu Besuch
bei dem griechischen Dichter Homer
im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum (rem)

 

 
 

Am 08. Januar 2009 besuchten die aktiven Mitglieder des Poesievereins Dichterpflänzchen e.V. die Sonderausstellung „Homer – Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst“. Herr Dr. Hecht bereitete alle Teilnehmer mit seiner erfrischenden Führung durch die Ausstellung auf den abendlichen Vortrag von Herrn Prof. Dr. Joachim Latacz vor. Thema: „Was wissen wir heute über den Troianischen Krieg?“
 


 

Beeindruckend waren die vielen wunderschönen Exponate, die die Führungsinformationen ergänzten und verdeutlichten. Aber auch das große Interesse an der Ausstellung ist erwähnenswert: Mehrere Schulklassen nahmen parallel zu uns an Führungen teil. Mehr zu Organisatoren, Ausstellungsstücken und Konzeption der Ausstellung finden Sie hier.  
Nach dem Ausstellungsbesuch erholten sich die Dichterpflänzchen bei einer gemeinsamen Pause. Es gab viel zu erörtern und zu verarbeiten. Neue Erkenntnisse wurden diskutiert und die “Beute” (Bücher zum Thema und der Ausstellungskatalog) begutachtet. Im gleichen Restaurant fand sich dann auch Herr Prof. Latacz ein, den einige Dichterpflänzchen schon aus früheren Begegnungen kannten.


 


 

Wer glaubte, ein Vortrag über die neuesten Erkenntnisse der Homer- und Troia-Forschung werde heutzutage wohl nur wenige Besucher anlocken, der wurde beim Betreten des Vortragssaals eines Besseren belehrt. Der Raum war überfüllt, weit mehr als 500 Besucher warteten sitzend oder sogar stehend  auf die Präsentation des Homer-Experten Herrn Prof. Latacz. Grund für das rege Interesse ist  wohl auch die aktuelle Diskussion, die in den vergangenen Monaten durch Raoul Schrotts Publikationen zu Homer in Gang gesetzt wurde. 
 
Herr Prof. Latacz  erklärte dem aufmerksamen Auditorium, dass es seit 1871 (Schliemanns Ausgrabungen) zwei grundsätzliche Fraktionen von Wissenschaftlern gibt: Die einen betrachten die Werke Homers über das reine poetische Kunstwerk hinaus als eine historische Quelle, die es sehr wahrscheinlich macht, dass es die Stadt Troia an der entdeckten Stelle wirklich gab und dass sie zerstört wurde. Latacz bekannte sich zu dieser Auffassung. Die andere Position gehe davon aus, dass die „Ilias“ zu lange nach dem Untergang Troias  entstanden sei, dass es keine Schrift zur Überlieferung gab und Homer daher auch keine Kunde davon erhalten haben könne. Deshalb sei der Troianische Krieg eine Erfindung Homers.
 
Eine Wende in der Gleichbewertung der Positionen habe sich jedoch seit den Korfmannschen Grabungen und damit einhergehenden interdisziplinären Forschungsarbeiten ergeben. So deuten auch “außer-Homerische” Indizien stark darauf hin, dass die Ilias-Handlung kein bloßes Phantasiegebilde darstellt. Hier nur einige Eckpunkte der neueren Forschung:   
 
1952 die Schrift “Linear B” wird entschlüsselt (Tonscherben aus Mykene mit Troia-Bezug)
1988  Korfmannsche Grabungen mit neuen Funden und Befunden zur Existenz der Stadt Troia (7b)
2002 neue Tonscherben in Theben gefunden  (Linear b) mit Troia-Bezug
2007 Nachweis, dass die „Ilias“ in ostionischem Dialekt (Homers Heimat) geschrieben ist
Wissensüberlieferung während der „finsteren Periode“ aller Kulturen des östlichen Mittelmeerraums (1200-800 v Chr.), in der es keine Schriftsprache gab,  durch die “oral poetry”: Epen mit beibehaltenem Versmaß, dem “Hexameter”.
 
 
Humorvoll und souverän präsentierte Prof. Latacz seine mit Beweisen und Indizien unterstützte    Position. Es war ein Genuss ihm zuzuhören. Nach zwei Stunden unterhaltender und unterrichtender “Beweisführung”, der auch “nicht-Experten” folgen konnten, applaudierten die Zuhörer - und natürlich auch die Dichterpflänzchen - begeistert.

 


 Wie viele andere baten auch die Dichterpflänzchen (rechts Rosa Tennenbaum, links Martha Schauerhammer) Herrn Prof. Latacz um eine Widmung in seinem Buch „Homer – Der erste Dichter des Abendlands“ (Artemis & Winkler 2003).

 

Lutz Schauerhammer